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Stärken und Schwächen der venezolanischen Ölindustrie 

Wirtschaft

Stärken und Schwächen der venezolanischen Ölindustrie 

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venezolanische ölindustrie

Die „Öldiplomatie“ ist ein Merkmal der venezolanischen Politik seit dem Beitritt des Landes zur OPEC in den frühen 1960er Jahren. Die energische Ölpolitik des Landes in den letzten Jahren ist daher nicht überraschend. Die Regierung Chavez hat dieses Instrument jedoch in einem selbst für die venezolanische Geschichte beispiellosen Ausmaß eingesetzt. In Lateinamerika gibt es kaum ein anderes Beispiel für einen derart offenen Umgang mit dem Thema Erdöl in der internationalen politischen Arena. 2008 kündigte die staatliche venezolanische Ölgesellschaft PDVSA an, dass sie der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC keine Jahresberichte mehr vorlegen werde. Die Ratingagentur Moody’s wiederum zog ihr Rating für PDVSA zurück und begründete dies mit der Undurchsichtigkeit der Finanzergebnisse des Unternehmens.

Betrachtet man die Standardölreserven, so verfügt Venezuela über 6,8 % der weltweit nachgewiesenen Reserven, d. h. 80 Milliarden Barrel, und ist damit nach Saudi-Arabien, Russland, Iran, Irak und Kuwait das sechstgrößte Land der Welt. Rechnet man die Schwerölreserven hinzu, so steigt die Zahl auf 270 Milliarden Barrel, womit Venezuela sofort an erster Stelle der weltweiten Ölreserven steht. Das ist sehr wichtig zu wissen, wenn Sie vorhaben, vom Ölhandel mit Öl Profit zu profitieren. Aber so einfach ist alles auch nicht. Die Förderung von Schweröl ist arbeitsintensiv, erfordert hohe Investitionen über längere Zeiträume, ist weniger rentabel und erfordert spezielle Raffinerien, da das venezolanische Schwerstöl nicht in Raffinerien verarbeitet werden kann, die für die Verarbeitung leichterer Ölsorten ausgelegt sind.

Wachstum des Bruttoinlandsproduktes

Obwohl Venezuela über riesige Reserven verfügt, ist das Land nicht in der Lage, seine Rohölvorräte zu erhöhen. Nach Schätzungen von ECLAC-Experten wuchs das venezolanische BIP im Jahr 2017 um 17,9 %. Die Zahlen für 2018 zeigen einen Anstieg von 9,3 %. Studien zeigen jedoch, dass der Anstieg des BIP nicht auf einen Anstieg der Ölproduktion zurückzuführen ist, die nach Angaben der OPEC wegen der geringen öffentlichen Investitionen im Ölsektor ihr früheres Niveau nicht erreicht hat. Die Dynamik des Sektors wird ausschließlich von den Schwankungen der Weltmarktpreise abhängen, da der Steigerung der Produktionsmengen Grenzen gesetzt sind.

Der tatsächliche Umfang der Produktion ist schwer zu bestimmen, da keine zuverlässigen Daten von PDVSA vorliegen. Obwohl das staatliche Unternehmen behauptet, die Produktion auf rund 3,1 Mio. Barrel pro Tag gesteigert zu haben, weisen unabhängige Studien darauf hin, dass die tatsächliche Zahl bei 2,7 Mio. Barrel pro Tag liegt.

Große Investitionen von Jahr zu Jahr

Die venezolanische Ölindustrie benötigt jährlich beträchtliche Investitionen, insbesondere in die Erschließung neuer Felder, um zumindest das derzeitige Produktionsniveau zu halten. Alles deutet darauf hin, dass PDVSA noch weit davon entfernt ist, sein Mindestinvestitionsniveau zu erreichen. Zwischen 2019 und 2021 sollen 6,3 Milliarden Dollar vom Staat und weitere 2,5 Milliarden Dollar an privatem Kapital investiert werden. Die Möglichkeit eines Wachstums der Privatinvestitionen wird auch durch die Unsicherheit der Regierungspolitik gegenüber ausländischen Investitionen in Frage gestellt. Angesichts dieses Trends ist davon auszugehen, dass die Ölförderung in Venezuela weiter zurückgehen oder bestenfalls nicht mehr ansteigen wird.

Die Höhe der Investitionen von PDVSA ist jedoch nicht mit denen staatlicher Ölgesellschaften in anderen Ländern der Region vergleichbar. So investierte Pemex (Mexiko) doppelt so viel wie sein venezolanisches Pendant, während Petrobras (Brasilien) 150 % mehr investierte. Darüber hinaus plant die staatliche brasilianische Ölgesellschaft zusätzliche Investitionen in Höhe von 12 Mrd. USD, dreimal so viel wie PDVSA derzeit investiert.

Venezuela verfügt über die größten Erdgasreserven in Lateinamerika. Bis vor kurzem war sie jedoch nicht daran interessiert, diese zu entwickeln. Obwohl die Reserven auf 4,2 Billionen m3 geschätzt werden, wurden bisher nicht mehr als 40 Milliarden m3 Gas gefördert. Außerdem wird ein Großteil des als technisch angesehenen Gases zusammen mit Öl gefördert. Es ist wahrscheinlich, dass Venezuela eines Tages zu einem der wichtigsten Gasexporteure Lateinamerikas werden wird, aber im Moment sind seine Exportmengen noch recht gering. Ein Beweis dafür ist das Abkommen mit Kolumbien über den Bau der Transguajiro-Gaspipeline, die in den ersten sieben Betriebsjahren die Grenzgebiete des Landes versorgen wird.

Bildquelle:

  • https://pixabay.com/de/photos/%c3%b6lindustrie-%c3%b6l-offshore-3289176/